Werkswohnungen steuerlich gefördert

Bei Werkswohnungen handelt es sich um Wohnraum, die ein Unternehmen seinen Arbeitnehmern verbilligt zur Verfügung stellt. Mit der steuerlichen Förderung von Werkswohnungen legt die Bundesregierung nun einen Referentenentwurf vor und will das Vermieten von Werkswohnungen an Arbeitnehmer erleichtern. Die Neuregelung umfasst sowohl im Eigentum stehende als auch angemietete Wohnräume der Unternehmen.

Soweit ein Arbeitnehmer eine Miete zahlt, die mindestens zwei Drittel des ortsüblichen Mietwerts und nicht mehr als 20 € je m² beträgt, kann der Ansatz eines Sachwertbezugs unterbleiben. Begünstigt ist nur die Überlassung einer Wohnung. Für die Bewertung einer Unterkunft, bei der es sich nicht um Wohnraum handelt, ist wie bisher der amtliche Sachwertbezug nach der Sozialversicherungsentgeltverordnung maßgeblich.

Rechtstechnisch soll es sich um einen Bewertungsabschlag nach der Gesetzesbegründung bei der Neuregelung in § 8 Absatz 2 Satz 12 EStG  handeln: Für eine Prüfung, ob die verbilligte Überlassung von Wohnraum vorliegt, soll der ortsübliche Mietwert um 30 % gemindert werden. Als ortsüblicher Mietwert soll bei Werkswohnungen die Kaltmiete zuzüglich der nach der Betriebskostenverordnung umlagefähigen Kosten angesetzt werden.

Beispiel:

Für 330.000 € kauft ein Unternehmen eine Eigentumswohnung und vermietet diese als Werkswohnung für 6 € je m² an eine angestellte Fachkraft. Die ortsübliche Vergleichsmiete beträgt 9 € je m². Da die Kaltmiete 2/3 der ortsüblichen Vergleichsmiete beträgt, wäre kein Sachbezug durch den Arbeitnehmer zu versteuern. Wäre die Wohnung dagegen dem Arbeitnehmer für nur 5 € je m² überlassen worden, wäre ein Sachbezug von 1 € zu versteuern.

Für Unternehmen wird es zusehends schwieriger Fachkräfte zu finden, weil diese keine Wohnung in der Nähe des Arbeitsortes finden. Früher kauften oder bauten größere Unternehmen Werkswohnungen als Rückdeckung für ihre Verpflichtungen aus zukünftigen Pensionen.

Heute werden anstelle der Werkswohnungen Versicherungslösungen gewählt, dabei kann eine Rückdeckung mit Immobilien günstiger sein, trotz steigender Werte werden Werkswohnungen zu den Anschaffungskosten in der Bilanz ausgewiesen. Diese Werte können zusätzlich durch Abschreibungen auf Gebäude gemindert werden.

Wegen der neuen Sonderabschreibung könnte es sich zukünftig auch für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) lohnen, Neubauwohnungen zu erwerben und diese an Mitarbeiter zu vermieten.

Quelle: AIZ Das Immobilienmagazin, Ausgabe 10-2019, Autor: Hans-Joachim Beck, Leiter der Abteilung Steuern des IVD und ehemaliger Vorsitzender Richter am Finanzgericht Berlin-Brandenburg.

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